Ganz in Weiß
01/20
»Wer Spaß hat, hat oft auch Flecken!« hat eine aufgeregte Stimme in der Fernsehwerbung einst verkündet. Und hat als Problemlösung das Waschmittel XY empfohlen. Wer das Bild dazu nicht gesehen hat, hat sich weiß Gott welchen Reim darauf gemacht …
Um Flecken geht es aktuell auch in der Literatur. Genauer um jene Art der Literatur, die man gar nicht also solche bezeichnen dürfte. In der heilen Welt der Groschen- Liebes- und Schundromane ist plötzlich nichts mehr heil und schon gar nichts mehr weißer als weiß. Zu Rollen angefangen hat der Stein des Anstoßes in den USA; er könnte aber schnell auf den alten Kontinent herüberspringen.
Zunächst ist festzuhalten, dass es sich hierbei um ein Milliarden-Geschäft handelt. Egal auf welchem Erdteil. Der Verband der Romanzenschreiber (RWA, »Romance Writers of Amerika«) hat 9.000 Mitglieder, also Schriftstellerinnen und Schriftsteller, von Gelegenheits- und Hobby-Dichtern bis zu den Stars mit Millionenauflagen. Im Büchergeschäft (oder sollte man besser sagen in der Bücherindustrie) ist die Trivialliteratur die Melkkuh der Branche. Sie hält in den USA bei einem Anteil von 25 Prozent des Belletristik-Marktes. Eine »Cashcow«, die auch dafür herhalten muss, um die seriösen Ladenhüter mit zu finanzieren.
Laut Bericht in den Medien (u. a. ORF-News) habe das ganze damit begonnen, dass sich eine der Starautorinnen über eine andere Starautorin auf Twitter beschwert hat. Der Grund: Beschreibungen von, zum Beispiel, Chinesinnen, würden von Klischees und Stereotypen nur so strotzen und überhaupt, so die Beschwerdeführerin, würden zudem auch schwarze Autorinnen und Autoren ausgegrenzt. Im 21. Jahrhundert müsse zu hinterfragen erlaubt sein, »wie Liebe dargestellt werden darf«; insbesondere auch auf Grund von schlüpfrigen aber erfolgreichen Ausreißern wie »50 Shades of Grey«?
Wie im Netz nicht anders zu erwarten, kommt es daraufhin zu einem Sturm der Entrüstung, zu weiteren Anwürfen und entsprechenden Entgegnungen, zur Suspendierung von Autorinnen bis hin zum Rücktritt des Vorstandes des oben genannten Autorenverbandes.
Wirtschaftliches Faktum ist, dass das Lesepublikum, also der Markt, Geschichten nachfragt, die voll sind von dick aufgetragenen Beschreibungen und schwülstigen Klischees, unschuldig, sittsam und romantisch. Geschichten, die sich am besten in der Vergangenheit und in adeligen Kreisen, also in der guten alten Zeit und zwischen einer weißen Frau und einem weißen Mann abspielen.
So besehen wundert es daher nicht, dass der Verband seinen Schreiberlingen Regeln »empfiehlt«, was sie wie zu schreiben hätten. »Man dürfe«, so die Kritiker, »die Beziehung zwischen einem Menschen und einem Vampir beschreiben, aber keine zwischen zwei Frauen oder zwei Männern!«
Um die aktuelle Rassismus- und Homophobie-Debatte wird also auch ein neuer Vorstand nicht herum kommen. Denn das Waschmittel XY mag gegen Eiscreme-Flecken helfen, nicht aber gegen jene auf den vorgeblich weißen Westen. //(clash)