illtum

»lechts und rinks kann man nicht velwechsern. werch ein illtum!« lautet das in Kleinbuchstaben gehaltene Gedicht »lichtung« des öster. Lyrikers Ernst Jandl in seinem ersten Gedichtband der experimentellen Lyrik »Laut und Luise« aus dem Jahre 1966 …

»Rechts ist, wo der Daumen links ist«, sagt die alte Bauernregel, die man gerne den kleinen Heranwachsenden vorbetet, die damit Schwierigkeiten haben. Ein wenig später im Leben werden aus rechts und links politische Richtungen, wo dann die »Daumenregel« auch nicht mehr weiterhilft. Insbesondere weil das Spektrum jetzt ausgedehnt auftritt und es zusätzlich ein extremes links und extremes rechts gibt. Lyriker Jandl hat sich diesbezüglich nicht festgelegt. Obwohl seine »lichtung« nicht nur zu Dichtung, sondern auch zu Richtung umgedeutet werden kann. Was man herauslesen kann ist, dass die Gefahr einer Verwechslung immer gegeben ist.

In einem aktuellen Papier (Demokratiemonitor 2019) kommt das Sozialforschungsinstitut SORA jetzt zu dem Schluss, dass gegenwärtig eine »rechtsextreme Sprache« auf dem Vormarsch sei. Und »warnt vor einer Normalisierung des Rechtsextremismus in Österreich«. Es gebe, so die Forscher, »eine schleichende Veränderung im öffentlichen und politischen Diskurs«, Schritt für Schritt verschöben sich die Begriffe und die Grenzen des Sagbaren – befeuert auch aus den anonymen Ecken des Internets. In Form von Hasspostings, Hetzreden und Euphemismen (Beschönigungen, Verschleierungen, Abmilderungen).


Autoritäre (also: rechte; Anm. d. Verf.) Muster und Demokratievorstellungen seien in den Köpfen der österreichischen Bevölkerung bereits stark verankert, behauptet das SORA-Institut: 38 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher (2018 waren es noch 34 Prozent) sind zwar für die Demokratie, können sich aber einen »starken Mann« an der Spitze vorstellen, ebenso Einschränkungen der politischen Opposition und der Versammlungsfreiheit.


Rechtsextrem werde normal, beobachten die Sozialforscher diese Entwicklung seit 25 Jahren und nennen als Gründe dafür: die zunehmend soziale Ungleichheit bei Einkommen, Vermögen und Bildungschancen. Und die Politik habe diese Veränderungen vielfach mit rechtsextremen Positionen erklärt: Zuwanderung, Gleichstellung, Verschwörungstheorien. Was zwangsläufig zu einer Spaltung führt, zu einem »Stammesdenken«, da sind »Wir« und dort sind »die Anderen« und in der Folge zu Feindbildern. Der Anführer, der Erlöser, der uns vor diesen Feinden beschützt, ist dann nicht mehr weit ...


Dies alles ist allerdings nicht das Hauptproblem. Westliche Gesellschaften – ob mehr oder weniger demokratisch, links oder rechts – stehen heute unmittelbar vor einem globalen Transformationsprozess (Klima, Umwelt, Kapitalismus - dazu auch der 3sat-Beitrag vom 16.01.2020), wo zunächst nur feststeht, dass er stattfinden wird. Aber nicht wie er genau ausschaut und wohin er führt. Und mit Sicherheit wird diese Transformation auch nicht »von oben« passieren, sondern »von unten« (siehe Fridays for Future), also von uns. //(clash)