Echokammer
01/20
Die Echokammer ist ursprünglich im Tonstudio anzutreffen. Es handelt sich dabei um einen Raum, der künstlich einen Nachhall (wie in Kirchen und Mehrzweck- oder Werkshallen) erzeugt. Im WWW erleben diese Kammern heute eine Wiedergeburt …
Die auferstandene Echokammer – alternativ auch »Filterblase« – genannt, beschreibt die Beobachtung, dass die Menschen sich bevorzugt dorthin bewegen und/oder aufhalten, wo ihre Einstellung, ihre Haltung, ihre Werte, Meinung, wo ihre (Vor-) Urteile geteilt und gespiegelt werden und zuverlässig und beständig als Echos widerhallen. Dazu kommt: Alles was vom vorgenannten Profil dieser User abweicht, wird ausgeklammert, weggefiltert, negiert, abgelehnt oder gar nicht wahrgenommen. Selbstbestätigung und Selbstvergewisserung, nennen das die Soziologen (self-serving bias, selbstwertdienliche Verzerrung).
Auch der soziale Druck, das Streben nach Anerkennung, das Gefühl akzeptierter Teil der Gemeinschaft, der Community zu sein – das dazu gehören, das sich nicht ins Abseits stellen, das nicht gegen den Strom schwimmen wollen – spielen dabei eine große Rolle. Wenn der vorherrschende Tenor an den Stammtischen – egal wo sie stehen, ob im Wirtshaus, in den (Boulevard-) Medien oder im WWW »Schwarz« lautet, dann wird man es mit dem Einwand in Richtung „Grautönen" oder gar „Weiß" schwer haben.
Im Internet, in den Social Networks wird das ganze jetzt noch durch Algorithmen und Filter verstärkt. Aufgrund von über Jahre hinweg erzeugten Profilen (auch und gerade aus den Suchanfragen) werden den Usern nur jene Informationen, Diskussionen, Forenbeiträge etc. angeboten, die zu ihnen passen – die permanente Selbstbestätigung; willkommen in der Filterblase.
Wenn also der – sehr wohl auch Politikberater – Mag. Peter Zellmann in einem bemerkenswerten Standard-Interview am letzten Tag des Jahres sagt »… Bei dem, was den Menschen wirklich wichtig ist, spielen weder die Ausländer noch das Klima die Rolle, die uns die Überschriften – oder zuletzt die Koalitionsverhandler – vorgaukeln«, dann gehört das zu jenen Einschätzungen, die im Mainstream leider verhallen. Genau so wie die Zellmann'sche Einschätzung: »Politik ist Macht und nichts anderes … Eine PR-Maßnahme, (mit dem Ziel:) mit welchen Überschriften und Schlagworten man scheinbar die Bedürfnisse der Menschen decken kann, in Wahrheit aber Macht absichert. Politik ist PR – wer das beherrscht, wird die Nase vorne haben.«
Es wäre im Sinne des berühmten »mehr Demokratie wagen« (Willy Brandt vor genau 50 Jahren), extrem wichtig, diese und andere gegen den Strom Schwimmer wahr und ernst zu nehmen. //(clash)