In guter Hoffnung
01/20
Die Kulturzeit auf 3sat hat eine neue Literatur entdeckt: den »Hopepunk«. Also »Hope« und »Punk«. Ein Trend? Ein Modeerscheinung? Eine Literatur-Ente? Und passt das überhaupt zusammen? Wir lassen es uns erklären:
In der Anmoderation zum Beitrag heißt es: »Hopepunk steht für Optimismus: Das neue Literatur-Genre wird zur Erzählschablone für Widerstand in politisch turbulenten Zeiten, wendet sich gegen Zynismus und setzt stattdessen auf Hoffnung und Humanität.«
Das ist doch ein alter Hut, fällt uns dazu sofort ein. Diese oben beschriebene »Erzählschablone« trifft doch auf geschätzte 90 Prozent aller Erzählungen zu. Auf alle jene jedenfalls, wo konsequent das Gute über das Böse siegt und/oder die Hauptdarsteller sich am Ende kriegen, wo der letzte Akt »… und wenn sie nicht gestorben, dann leben sie noch heute …« oder so ähnlich heißt. Rosamunde Pilcher hat den Hopepunk zwar nicht mehr erlebt, würde ihn aber – da sind wir sicher – gut finden. Genau so wie die durchschnittlich sieben Millionen Zuschauer des 147 Geschichten umfassenden Oeuvres der Engländerin.
In der Vergangenheit, so der Beitrag in der Kulturzeit, wurde versucht, Geschichten so realistisch wie möglich zu erzählen. Geschichten, die sich am Zustand der Gegenwart orientieren: »Zwischen Krisen, Kriege, Katastrophen wird der nihilistische Egoismus zum Zeitgeist.« Und die »dunklen Charaktere spiegeln sich in den Büchern, Serien und Filmen wider.« Damit soll jetzt Schluß sein!
Der neue Trend Hopepunk kommt aus – wo sonst – den USA und wird der Fantasy-Autorin Alexandra Rowland zugeschrieben (»A guide to hopepunk: What to read, watch and listen to when all seems lost«). Das sei, so der deutsche Autor Christian Vogt, eine Reaktion auf die »Übersättigung der Düsternis im realen Leben wie auch in den Büchern und Serien … viele sagen sich einfach ich hab da keine Lust mehr drauf.«
Was auf den ersten Blick ein wenig naiv und nach Wunschdenken ausschaut, Science-Fiction halt, könne aber sehr wohl Auswirkungen auf das reale Leben haben, so der Literatur-Journalist Stefan Mesch: »Das Wichtige daran ist, dass man Hopepunk wie eine Waffe benutzt; dass man sagt: wir werden nicht zynisch, … wir werden nicht so hart und kalt wie unsere Gegner, … wir halten zusammen … wir setzen gegen die Hoffnungslosigkeit ein Zeichen.»
Die Autorin Judith C. Vogt (»Wasteland«, erster deutscher Hopepunk-Roman, gemeinsam mit Christian Vogt) versucht sich an einer Erklärung mit einem bekannten Bild: In den alten Erzählungen sei für die Helden und Heldinnen das Glas entweder halbvoll oder halbleer, Hopepunker hingegen sagen es ist Wasser im Glas und das ist gut so … Hopepunk sei mehr als eine Literaturgattung, so die Autorin, es sei vielmehr »ein Mindset, das ihr mit in euer Leben nehmen könnt!«
Was ist noch im neuen Literatur-Eintopf? Gerechtigkeit selbstverständlich, Anti-Unterdrückung und -Hierarchien, Pro-Umwelt und -Klima, Fridays for Future, die Aufhebung der Geschlechterzuschreibungen und des Familiendesigns …
Jaja (Vorsicht, Zynismus:) die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. //(clash)